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  • Hans und Dorli

Windgetöse und Katzengejaule

An der südlichsten Spitze des europäischen Festlands. Kurz nach Mitternacht. Wir werden unsanft geweckt. Heftige Windböen rütteln und schütteln an unserem Dachzelt. Das Gestänge biegt sich, die Seitenwände blasen sich auf. Wir fühlen uns wie auf hoher See. Ob das gut kommt? Wir verziehen uns in den Rubi. Fast eine Stunde dauert der Sturm. Dann beginnt es zu regnen und das Windgetöse lässt nach. Wir zügeln wieder nach oben und wärmen uns im Schlafsack auf. Gegen Morgen werden wir erneut geweckt. Neue Böen nerven uns. Ein strahlender Tag, aber eben mit Sturmböen, die über die Ebene ins offene Meer hinausfegen. Wir inspizieren unser - notabene in Griechenland fabriziertes - Dachzelt: Alles bestens! Wir warten eine Windpause ab, packen rasch das Zelt zusammen und fahren - mit eingeschalteter Sitzheizung - los.


Wenige Tage später: Wir joggen den einsamen Strand entlang, ein kurzes Bad im kühlen Meer, Früstücken an der warmen Sonne. Der Peleponnes gefällt uns immer besser. Frühmorgens zwitschern die Vögel, nachts jaulen die unzähligen Katzen. Der Frühling scheint da zu sein. Nicht nur wir freuen uns, sondern auch die Griechen, welche vom kalten Nordwind mehr als genug haben.


Die Griechen wundern und freuen sich über das erstaunlich frühe Eintreffen der ersten Touristen. Für viele ist Griechenland nämlich die Alternative zu einer Reise nach Marokko. Eigentlich war auch unser Ziel Marokko. Seit November ist jedoch der Fährbetrieb eingestellt, vordergründig wegen Corona, hintergründig wohl wegen den Gebietsstreitigkeiten in der Westsahara. Marokko will Spanien dazu “drängen”, diese Gebiete als marokkanisch - und nicht algerisch - anzuerkennen. Den Griechen seien die Touristen gegönnt. Waren doch in den letzten zwei Jahren wegen Corona fast keine hier. Jetzt hoffen sie, dass der Krieg in der Ukraine nicht allzu grosse Auswirkungen auf die Saison 2022 haben wird.


Der kalte Nordwind hat diesen Winter viel Schnee gebracht. So wird in Kalávytra jetzt, Ende März immer noch Ski gefahren. Wir hingegen wollen mit Rubi ein paar schöne Bergstrecken fahren. Das wird spannender als erwartet. Teilweise kommen wir - mit etwas Schaufeln und Felsbrocken weg räumen - gerade so durch, mehr als einmal müssen wir jedoch schlicht umkehren, da die Pisten im Schnee verschwinden. So müssen wir uns an die niedrigeren Gegenden halten, die farbige Blumenpracht bestaunen, Tropfsteinhöhlen und Wasserfälle besuchen, zu einsamen Buchten wandern und natürlich auch den Ruinen von Olympia und von Methoni die Ehre erweisen.


Wir wollen weiter, aber wohin? Als erstes geht es über die schöne Hängebrücke bei Patras und weiter auf verschlungenen Pfaden über öde Bergrücken - mit tollem Übernachtungsplatz - und durch karge Eichenwälder bis nach Kirra. Von dort pilgern wir den alten Saumpfad hoch nach Delphi und fragen das Orakel, wohin uns die Reise als nächstes führen wird. Wir hoffen auf weniger windige Gegenden …


























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