Blutverschmiert …
- Hans und Dorli

- Dec 31, 2025
- 3 min read
… erwacht Dorli mitten in der Nacht. Bett und T-Shirt sind blutgetränkt. Schlaftrunken entdeckt sie eine winzige Wunde. Eine Fledermaus hat mit ihren scharfen Zähnen in den Finger gebissen und ein schmerz- und geringshemmendes Serum platziert, damit das Blut lange fliesst ... Wir sind in einer kleinen Lodge direkt am Strand, nahe Nuqui an der Pazifikküste. Am Weihnachtstag wird Asado verspiesen, danach gibt es laute Musik, viel Bier und Viche. Natürlich wird Salsa getanzt, und zwar von allen! Ziemlich schräg, aber toll und unvergesslich. Beides echte Weihnachtsüberraschungen!
Die regionalen Unterschiede in Kolumbien sind riesig. Bisher bereisten wir die karibische Küste mit Cartagena, die Sumplandschaft entlang des Unterlaufs des Rio Magdalena, die hohen Berglandschaften entlang der Cordillera-Ketten, die wilde, nur mit Boot und Flugzeug zugängliche Pazifikküste, natürlich die tolle Stadt Medellin und die milde Zona Cafetera. Nicht nur Landschaft, Fauna und Flora, sondern auch die Leute und die Kultur sind sehr divers. Immer wieder werden wir überrascht von der Vielfalt, der Schönheit, der Offenheit, aber auch der Herausforderungen, welche das Land zu bewältigen hat.
Das Dorf Gramalote ist ist dazu ein Beispiel. Das kolumbianische Pendant zum verschütteten Blatten wurde vor 15 Jahren durch einen Erdrutsch über Nacht komplett zerstört. Die dreitausend Einwohner konnten rechtzeitig evakuiert werden und wohnen heute in Gramalote Nuevo, welches am gegenüberliegenden Hang aufgebaut wurde. Es gilt in Kolumbien als modernes Musterdorf. Ob sich die Bewohner in den eintönigen Häusern wirklich wohl fühlen? Wir wissen es nicht! Der Besuch des alten Gramalote ist jedoch eindrücklich. Die Ruine der Kirche und die Überreste des grossen Platzes werden von den wuchernden Pflanzen in Beschlag genommen. Von den ehemaligen Häusern ist nichts mehr zu sehen.
Beim Befahren der abenteuerlichen Pisten in den Bergen nahe der venezuelanischen Grenze haben wir immer wieder Glück: Mehrere Erdrutsche sind bereits notdürftig geräumt und ein Lastwagen, kippt auf die richtige Seite, so dass die Durchfahrt offenbleibt. Nach den Pisten fahren wir auf einer Passstrasse rund 2'000 Höhenmeter ins Tal hinunter. Wir rollen langsam, da immer wieder schwere Lastwagen, aber auch Fahrrad-Gruppen die Fahrt behindern. Plötzlich leuchtet eine rote Warnmeldung auf “Getriebe defekt”. Boryx fällt in den “Limpmode”: Fahren nur noch im 6. Gang, Schalten nicht mehr möglich. Wir halten an der nächsten Tankstelle an. Dank Ferndiagnose ist das Problem nach einer Stunde gefunden: “Überhitzung des Automatikgetriebes, kein mechanischer Defekt”. Eine zweistündige Zwangspause und wir können problemlos weiterfahren. Wieso hat sich das Getriebe beim Bergabfahren wohl überhitzt? Durch das langsame Fahren mit niedriger Drehzahl blieb der Wandler offen, das Getriebeöl wurde heiss. Alles klar? Sonst einfach nachfragen!
Immer wieder treffen wir auf wunderschöne Dörfer im Kolonialstil, oft dominiert durch riesige Kirchen. Natürlich besuchen wir auch den bekannten Monolith El Peñón de Guatapé. Die 690 Treppenstufen bezwingen wir frühmorgens in weniger als einer halben Stunde. In Medellin lassen wir uns kulinarisch verwöhnen, besuchen aber auch die Comuna 13 und das Centro mit den Botero-Skulpturen.
Gegen Jahresende holpern wir zum Refugio Potosí und übernachten auf 3'900 müM. Frühmorgens ist rundherum alles mit Reif überzogen. Wir werfen seit langem wieder einmal die Standheizung an! Mit der Sonne wird es rasch warm und wir wandern zum Mirador mit toller Aussicht auf die Laguna Otún. Zum Glück sind es nur 300 Höhenmeter, macht uns die Höhe doch deutlich zu schaffen.
Wir freuen uns darauf, Sylvester im wärmeren Dorf Filandia in der Zona Cafetera zu verbringen und danach noch eine Weile im Süden von Kolumbien zu bleiben. Haben wir uns doch in das Land mit der Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft seiner Menschen „verliebt“.
















































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