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  • Hans und Dorli

Drum Bun!

Wunderschöne Blumenwiesen! Hermann, unser Guide, erklärt uns jede Blume, jede Blüte. Aber halt, was ist das? Bären haben mit ihren Tatzen nach Maden gegraben! Dort drüben haben Wildschweine ein ganzes Feld umgeackert. Wir wandern auf rund 1'500 müM über einen Grat, dann hinunter ins Tal und treffen auf das Schloss Bran, auch bekannt als Dracula-Schloss. Wir belassen es bei einer Besichtigung von Aussen, zu gross ist der Rummel rund um das Schloss. Vorallem aber haben wir noch etwas vor für heute Abend:


Der Wildhüter geht voraus. Wir folgen ihm leise bis zum Hochstand am Rande der Waldlichtung, steigen die schmale Treppe hoch und nehmen auf der Bank Platz. Wir warten! Da, von links kommt ein junger Bär herangeschlichen. Beim Baumstamm sucht er nach Futter. Ein zweiter, grösserer nähert sich. Der kleine Bär erschrickt und reisst aus. Nach einer Weile tummeln sich bis zu sieben Bären auf der grossen Waldlichtung. Etwas tollpatschig wirken sie, sind aber blitzschnell, wenn es nötig ist.


Wir sind mit unserem Rubi in den Karpaten unterwegs, zehn Tage mit einer Gruppe unter der Leitung von David, danach zwei Wochen allein. Wir fahren über holprige und steile Pfade durch Wälder und über Alpweiden. Es macht Spass, manchmal kommen wir auch ins Schwitzen, wenn wieder mal ein Graben bewältigt werden muss. Dorli weist den Weg, Hans fährt langsam, langsam der senkrechten Flanke des tiefen, rund 200 m langen Grabens entlang. Wir schaffen es und sind erleichtert!


Auf den Alpweiden finden wir wunderschöne, einsame Übernachtungsplätze. Eines Abends - wir machen es uns eben so richtig am kleinen Feuer gemütlich - kommen zwei Hunde und legen sich zu uns. Weitere Hunde, ein Hirte und seine 500 Schafe folgen. Der Hirte beäugt uns aus der Ferne, wir winken, er kommt näher. Verständigen können wir uns nur mit Händen und Füssen, bieten ihm aber einen Kaffee an. Er packt seinen Rucksack aus und schenkt uns ein grosses Glas mit frisch gepflückten Heidelbeeren, sowie ein grosses Stück Käse. Wir revanchieren uns mit Schweizer Schokolade.


Anderntags treffen wir auf Pilzsammler, welche im Sommer auf der Alp in einfachstenen Behausungen leben. Sie schleppen korbweise Steinpilze an, schneiden sie in Scheiben und trocknen sie an der Sonne. Wir wollen ein paar Steinpilze kaufen. Kein Problem, wir sollen nehmen, soviel wir wollen. Von einer Bezahlung wollen sie nichts wissen!


Wir erleben Rumänien als grosses „Appenzell“, gespickt mit unzähligen Kirchen, Klöstern und Schlössern! Hügel so weit das Auge reicht: in der Ebene Felder, an den Hängen riesige Wälder und oben Alpweiden mit Schafen, Kühen und Pferden. Viele Rumänen leben in einfachen Häusern entlang der Strasse, strassenseitig versperren kilometerlange Zäune und Mauern den Blick in die Gärten. Wasser wird oft aus Ziehbrunnen gefördert. Storchennester zieren die Strommasten. Immer wieder kreuzen wir Ross und Wagen. Die Felder werden mit einfachsten Mitteln bewirtschaftet. Das Heu wird auf dem Feld am Stock gelagert oder auf Holzwagen geladen und mit dem Pferd nach Hause gezogen. Natürlich haben aber Jung und Alt dauernd ihre Mobiltelefone mit dabei.


Die Bedeutung vieler Strassenschilder können wir oft erraten, gesprochen ist das Rumänische jedoch nicht zu verstehen. Die rumänische Sprache geht auf das Lateinische zurück, ist aber in den letzten zweihundert Jahren mit ungarischen, türkischen, griechischen, deutschen und französischen Wörtern vermischt worden. In einigen Gebieten wird zudem die ungarische und die deutsche Sprache noch aktiv gesprochen und gepflegt. So z.B. in Siebenbürgen, wo alle Ortsnamen sowohl auf Rumänisch wie auf Deutsch angeschrieben sind. Da merken wir dann auch, dass „Drum Bun“ einfach „Gute Reise“ bedeutet!




























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