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  • Hans und Dorli

El Perro Negro

Vor einem Jahr ist er gestorben. Die grossen Proteste, die am 18. Oktober 2019 begannen, hat er nicht mehr erlebt. Vorher war er, als Strassenhund, bei allen Protesten an vorderster Front dabei. Er hat immer die Polizisten, nie die Demonstranten angekläfft. Heute ist er eine Symbolfigur der aktuellen Proteste.


Die Erhöhung der Metropreise in Santiago hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die ersten beiden Wochen waren, gemäss Erzählungen von Demonstrierenden, sehr heftig. Hunderttausende von Leuten waren in Santiago auf der Strasse, weitaus die meisten Leute demonstrierten auf friedliche Art. Die Regierung unter Präsident Pineria hat drastisch reagiert und das Militär mit geladenen Schusswaffen eingesetzt. Die Erinnerungen an den Umsturz von 1973 und die darauf folgende Diktatur unter Pinochet waren plötzlich wieder erschreckend präsent!


Die Proteste dauern - im kleineren Rahmen - bis heute an. In Zentrum und an wichtigen Strassen der wohlhabenden Quartiere sind viele Gebäude verschmiert. Die Banken und andere exponierten Gebäude sind mit Blech und Holz verrammelt. Im Alltag merkt man ansonsten nicht viel, das Leben läuft ziemlich normal ab.


Alle Leute erwarten jedoch mit grossem Respekt den März, wenn die grossen Sommerferien vorbei und auch die Stundenten wieder zurück sein werden. Ein erneutes Aufflammen der Proteste wird befürchtet. Die drei grossen Forderungen - gute Bildung für alle, ein funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem und eine Neuausrichtung der Sozialversicherungen - sind im Grundsatz zwar unbestritten, wie sie gelöst werden sollen, ist aber unklar und die Umsetzung braucht Zeit.


Für April ist eine Volksabstimmung angesetzt: Soll eine neue Verfassung erarbeitet werden und soll das Parlament oder eine vom Parlament unabhängige Kommission die Bearbeitung übernehmen? Auch eine Reform des Steuersystems soll angegangen werden. Viele Leute befürchten, dass die nächsten Jahre für Chile sehr schwierig sein werden, denken aber auch, dass die Proteste etwas angestossen haben, was längst überfällig war.


Hans ist das zwölfte Mal, Dorli das achte Mal in Santiago. Wird es das letzte Mal sein? Es ist das erste Mal ohne Arbeit und ohne Sprachschule. Hans besucht natürlich trotzdem das Büro von EBP Chile und hält dort sogar einen Vortrag! Ein bisschen Wehmut ist schon zu spüren.


Wir freuen uns aber über unseren Freiraum. Am frühen Morgen gehen wir joggen oder biken auf dem Cerro San Crystobal, dem Üetliberg von Santiago. Dann erkunden wir die Stadt zu Fuss und per Bike. Gegen Mittag wird es mit 30 Grad sehr heiss. Unsere kleine airbnb-Wohnung ist aber schön kühl, sodass wir uns am Nachmittag meist dorthin zurückziehen. Am Abend gehen wir wieder unter die Leute und erfreuen uns z.B. im Restaurant „La Bifferia“ mit ihrem Moto „To Beef or Not to Beef“ an einem schönen Steak.


























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