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  • Hans und Dorli

Hindernisse …

An einem wunderschönen Frühlingstag vor 17 Jahren stiegen drei tapfere Kanuten in ihre Kajaks, um den - gemäss Guinness-Book - tiefsten Canyon der Welt zu bezwingen. Nach dreistündigem mühsamem Einpaddeln verengte sich der Canyon. Der Spass kann beginnen, dachten die Kanuten. Doch schon bald versperrten riesige Felsblöcke jegliche Durchfahrt. Aussteigen und die Kajaks über die Blöcke heben, war angesagt. Dieses Spiel wiederholte sich des Öftern. Ist das noch Spass, fragten sich die Kanuten? Nach sieben Stunden - die Kanuten wirkten schon ziemlich genervt - schien das Gröbste überstanden zu sein, die Schlucht weitete sich. Na ja, es folgten nochmals gut zehn Umtragestellen. Erst bei den Voidematis-Quellen, die tüchtig Wasser führten, ging es flott voran. Nach neuneinhalb Stunden - es dunkelt bereits - empfing Dorli - sichtlich erleichtert - die drei Kanuten an der Ausstiegsstelle. Die Kanuten waren erschöpft und frustriert, aber vor allem stolz darauf, diese Tortur geschafft zu haben.


Heute - die Carbon-Paddel gegen Carbon-Stöcke getauscht - durchwandern wir den Vikos-Canyon auf einem spannenden Pfad. Hans schwelgt in Erinnerungen, Dorli freut sich an der tollen Szenerie. Auch wandernd zieht sich die grossartige Schlucht in die Länge und wir sind froh, dass der Pfad nach fünf Stunden den Hang hoch zum Dorf Vikos führt, wo das Taxi bereits wartet. Als Zugabe rennt Hans anderntags von Vikos runter zum Voidematis und am Gegenhang hoch zum wunderschön gelegenen Dorf Papingo. Dorli nimmt einen langen Umweg in Kauf, darf aber den Rubi fahren.


Wir sind im Epirus, der nordwestlichsten Ecken Griechenlands unterwegs. Bisher kannten wir diese Gegend vor allem vom Kajak fahren. Nun erleben wir tolle Berglandschaften, einsame Dörfer, gastfreundliche Griechen und auch spannende Offroad-Strecken mit allerlei Hindernissen: Am ersten Tag versperrt eine stattliche Tanne den schmalen Forstweg. Seilwinde und Umlenkrolle kommen zum Einsatz. Am nächsten Tag ist die Säge gefragt. Dutzende kleiner Bäume liegen quer über der Piste. Am dritten Tag blockiert kurz vor dem höchsten Punkt der Route auf 1‘400 müM ein Schneefeld die Weiterfahrt. Also greifen wir zur Schaufel. Belohnt werden wir mit lieblichen Tälern, Dutzenden Furten und wunderschönen Übernachtungsplätzen. Ein Geier kreist den Felswänden entlang. Ein Feuersalamander schaut uns verwundert zu. Ein Fuchs freut sich - erfolglos - über unsere Wurst. Ansonsten begegnen wir keiner Menschenseele.


Bei Ioannina, dem Zentrum von Epirus, gelangen wir zurück in die zivilisierte Welt. Unzählige Kaffees und Tavernen reihen sich dem Seeufer entlang. Jung und alt flaniert auf dem Quai. Wir gesellen uns dazu und geniessen das fröhliche Treiben. Tags darauf ist die Idylle vorbei. Ein kräftiger Wind schüttelt den See, aber auch unser Dachzelt. Trotzdem wagen wir uns an eine Seeumquerung per Bike …


Wir erleben Griechenland, insbesondere Epirus als spannendes Reisegebiet. Die (meisten) Griechen begegnen uns freundlich und zuvorkommend. Allerdings merken wir immer wieder, dass Griechenland mit massiven Problemen zu kämpfen hat. So ist z.B. ein Grossteil der Verkehrsinfrastruktur in desolatem Zustand. Wir haben im Niemandsland mehrfach riesige Kreisel mit Beleuchtungsmasten angetroffen, die einfach nutzlos vor sich hingammeln. Die schmalen, verkehrsarmen Zufahrtsstrassen sind in desolatem Zustand. Die Internetversorgung ist hingegen überraschend gut. Im abgelegensten Winkel findet man gute Wifi, dank den Glasfaserkabeln, die in 8 cm breiten Schlitzen im Strassen-Asphalt verlegt sind. Die gefrästen Schlitze sind mehr schlecht als recht mit Asphalt ausgegossen, was für Radfahrer recht holprig und nervig ist. Am augenfälligsten ist jedoch der allgegenwärtige Abfall: Wilde Deponien, zahllose rostige Autowracks, Abfall entlang der Strassen, aber auch auf Alpweiden und bei abgelegenen Bauernhöfen. Schade! Immerhin finden sich inzwischen in allen Dörfern Abfallcontainer, die auch wirklich geleert werden.


Die letzten beiden Tage in Griechenland verbringen wir in einem kleinen, wunderschönen Berghotel nahe der albanischen Grenze und verabschieden uns von den schmucken Zagori-Dörfern und den unzähligen Steinbogenbrücken. Endlich bringt der Frühling auch hier die Bäume und Sträucher zum Blühen. Ein nächstes Mal werden wir etwas später im Jahr hierherkommen und auch die Pisten über die hohen Pässe fahren.





























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