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  • Writer's pictureHans und Dorli

Loonies

1'330 müM liegt die Passhöhe des Rogers Pass mitten in den kanadischen Rocky Mountains. Der gesamte Verkehr an die Westküste Kanadas muss hier durch, sowohl auf der Eisenbahnlinie, wie auch auf der Trans Canada Highway. Die bescheidene Höhe täuscht, links und rechts säumen steile, haarsträubende  Bergflanken den Pass. Mehr als 130 Lawinenzüge bedrohen Bahn und Strasse. Jeden Winter werden unzählige Lawinen mit Hilfe alter Panzerhaubitzen künstlich ausgelöst. Seit ein paar Jahren erlaubt ein ausgeklügeltes Überwachungssystem der Schweizer Firmen Geoprävent und Wyssen auch in heiklen Situationen Strasse und Bahn offen zu lassen. Zur Auslösung der Lawinen kommen aber nach wie vor die alten Panzerhaubitzen zum Einsatz …

 

Auch beim Kicking Horse Pass im Glacier National Park entdecken wir Schweizer Wissen. Die ursprüngliche Linienführung der Bahn war hier so steil, dass es immer wieder zu “run-away-trains” kam. Die Gotthardstrecke in Wassen war  Vorbild für die Lösung: Mit Kehrtunnels wurde die steile Rampe entschärft. Es ist ein echtes Erlebnis den elend langen Güterzügen beim Durchfahren der Kehrtunnels zuzuschauen!

 

Schweizer Know-how war auch gefragt, als die Engländer vor gut hundert Jahren das Klettern in den kanadischen Rockies initiierten. Sie holten kurzerhand mehrer Bergführer aus Grindelwald und  Zermatt nach Banff und Lake Louis. Eine - ernüchternd kleine - Statue eines unbekannten Schweizer Bergführers erinnert an diese Pionierzeit.

 

Dann treffen wir tatsächlich auf einen Bergführer aus dem Berner Oberland. Beat kam mit seiner Frau vor 40 Jahren nach Kanada, arbeitete ein paar Jahre als Skilehrer, sattelte dann aber auf das Heli Fliegen um. Während mehr als 30 Jahren flog er Skifahrer in die Berge, löschte Waldbrände, unterstützte Holzfäller und transportierte Material in unzugängliche Gegenden. Nun gondeln die beiden mit ihrem riesigen Wohnmobil von einem Klettergebiet zum andern. Zu viert verbringen wir einen friedlichen Abend am Feuer und quatschen über Kanada und auch - ein bisschen - über die Schweiz.

 

Beat’s Frau weiht uns in das Geheimnis der Loonies ein. In Kanada bezahlt man ja nur noch mit Karte, Bargeld ist nicht mehr gefragt. Ausser man will duschen oder Wäsche waschen! Dann geht nichts ohne Loonies, den kanadischen Ein-Dollar-Münzen. Auf deren Rückseite ist ein „Loon“ eingeprägt, ein Wasservogel, welcher in der Natur kaum zu sehen, aber immer wieder zu hören ist. Die Vorderseite der Loonies gehört hingegen der Queen des British Empire …

 

Wir haben die Rockies inzwischen durchquert und verbringen zwei Wochen auf Vancouvers Island. Die 500 km lange Insel ist eine der Feriendestinationen für Locals aus Vancouver, wie auch Touristen aus aller Welt. Die Hauptstadt Victoria ist nicht nur wegen den historischen Gebäuden und vielen Pubs ein Besuch wert: Wasser-Taxis, Wasserflugzeuge, Fischerboote und Fährschiffe bevölkern den Hafen mitten in der Innenstadt. Ein Gewirr sondergleichen! Die Küste auf der Pazifikseite ist wild und windig. Wir geniessen ein Wochenende in einem schönen Cabin und schauen dem Wellenspiel zu. In den fjordähnlichen Gewässern der Ostseite ist das Meer ruhig. Hier tummeln sich im Sommer viele Wale. Leider sehen wir die Ungetüme - trotz Zodiac-Tour - nur aus der Ferne.

 

Ab der Nordspitze von Vancouver Island bringt uns die Fähre weiter nordwärts. Während der langen, leider etwas düsteren, regenerischen Fahrt sehen wir immerhin zwei Gruppen Orcas an uns vorbei ziehen. Im Norden von British Colunmbia fühlen wir uns fast wie in den Alpen: schöne Flüsse mit klaren Wasser, Schneeberge, Wälder. Einzig die Alpweiden fehlen! Hingegen treffen wir auf einen Grizzley, der ungeniert sein Geschäft neben der Strasse verrichtet. Ein Highlight ist auch ein kurzer Abstecher nach Alaska. Bei Stewart fahren wir ein paar Kilometer über amerikanischen Boden, um zum Salmon Gletscher zu gelangen. Allerdings schaffen wir es nicht bis zum Aussichtspunkt, da noch zuviel Schnee auf der Schotterstrasse liegt. Trotzdem erleben wir hier eine einzigartige Übernachtung mit Dauerblick auf den Gletscher.

 

Unser nächstes Ziel: Das Gebiet des Klondike-Goldrush von 1896 in der Provinz Youkon.




































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2 Comments


Guest
Jun 20

Freue mich immer sehr über eure Berichte und Bilder! Weiterhin eine gute Reise – herzlich Rownak

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Hans und Dorli
Hans und Dorli
Jun 23
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Danke, Rownak!

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